Solidarität mit KenFM!


(Berlin) Letzten Sonntag trauten wir unseren Ohren kaum. In freudiger Erwartung starteten wir den Radio Fritz (Link) Livestream, um einer weiteren Folge unserer Lieblings-Radioshow KenFM (Link) zu lauschen. Aber stattdessen - seichte Radiomusik, kein Ken. Wie jetzt, abgesetzt? Nach über 10 Jahren Programm? Der Mann, der als letzter Moderator noch den ursprünglichen Geist des ehemals alternativen Senders Fritz verkörpert und diesen von Beginn an mit aufgebaut hat? Was ist passiert?

Wer die Sendung noch nie gehört hat, hier eine kurze Zusammenfassung: in den 4 Stunden der Sendung werden skrupellos Politiktalk, Unterhaltung und Popkultur miteinander vermischt. Zunächst gibt es kaum eine Show in der gesamten deutschen Radiolandschaft, die jungen, unbekannten Bands zur besten Sonntagnachmittags-Sendezeit eine Plattform bietet um sich vorzustellen und fast einstündige Livesets zu spielen. Ken läd sich in jeder Sendung meist 2 Bands ein, die er nicht nur in 10-Minütigen Idioteneinspielern durchschleift (Radio Energy?), sondern dem Publikum in humorvoller Art und Weise näherbringt, wobei man zu jeder Zeit merkt, dass der Band wirklich auch Interesse entgegengebracht wird. Auch Ronny Trettmann & Ranking Smo waren im letzten Winter bei Ken zu Gast (den Mitschnitt findet ihr unten) und haben sich in keiner anderen Radiosendung so gut aufgehoben und behandelt gefühlt. Als Hörer kann man sich sicher sein, die auftretenden Bands wirklich kennenzulernen.

Das wirkliche Konzept der Sendung offenbart sich allerdings im Zusammenspiel von Kens Musikbegeisterung und dem gleichzeitigen Ansprechen oft unbequemer politischer Themen. Hier werden Situationen wie die Kontroverse um den 11. September, die Lybien-Bombardierung, die Manipulation durch Mainstream-Medien ungefiltert besprochen, was jedoch durch Kens Sprechgeschwindigkeit und rhetorische Fähigkeiten immer auch einen Unterhaltungswert mitbringt (Beispiele unten in den Links).

Auch wenn Kens Thesen oft provozieren, ist gerade das der Mehrwert der Sendung, da sie, zur familienfreundlichen Sendezeit, gerade durch diese Provokanz zum Nachdenken und diskutieren anregen. Leider ist diese Institution der deutschen Radiolandschaft nun in akuter Gefahr. Warum?

Es stellte sich heraus, das Axel-Springer-Lohnschreiber Henryk M. Broder ein privater Briefwechsel zugespielt wurde, in welchem Ken seine Thesen zur PR-Instrumentalisierung des Holocaust erläutert. Ein gefundenes Fressen für einen erzkonservativen Schreiberling, der, ein paar Stellen ausgelassen, flugs die Keule "Holocaustleugnung" draus macht und sich beim RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) beschwert. Moderator Ken soll also ein Antisemit sein. Unvorstellbar für jeden, der auch nur mal eine seiner Sendungen bis zum Ende mitgehört hat.

Mittlerweile hat sich Ken via YouTube zur Situation geäußert, auch ein erstes Statement von Radio Fritz wurde ins Internet gestellt, jedoch ist noch immer nicht klar wie es um die Zukunft der Sendung bestellt ist. Da uns als Künstlern von der gesamten KenFM Crew Respekt & Unterstützung entgegengebracht wurde, wie man es nur selten von großen Radiostationen kennt, möchten wir uns auf diesem Wege revanchieren und zumindest auf die Problematik aufmerksam machen. Und zwar so wie sie sich uns darstellt, denn im Zuge der Ereignisse geistert mal wieder einiges an Fehlinformation durchs Internet.

Es kann nicht sein, dass eine Sendung, die seit über 10 Jahren eine der Stützpfeiler dieses Senders ist, durch einen Brief mit an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfen einfach so abgesetzt werden kann. Schon garnicht von einem Populisten wie Broder. Natürlich sind Kens Thesen provokant, allerdings stellt er diese nicht einfach in den Raum sondern fordert gerade dazu auf, diese zu diskutieren, ob am Telefon oder direkt im Studio, in das jeder sonntags kostenlos eingeladen ist, die Sendung zu verfolgen und mitzudiskutieren. Jeder hat die Möglichkeit, Thesen zu widerlegen, sollte er sich daran stören. Kens für die "Oberen" sicherlich unbequeme Sendung hat schon einiges überstanden, u.a. auch den Vorwurf, er würde die Zielgruppe mit seinem Programm überfordern (Antwort unten). Lasst uns Solidarität zeigen, damit das letzte interessante Radioformat des Landes nicht endgültig ausstirbt. In den nächsten Tagen wird ein Statement des RBB über den Verbleib der Sendung erwartet. Sollte es tatsächlich zu einer Absetzung kommen, werden wir natürlich über weitere Schritte informieren. Bis dahin findet ihr in den Links alle möglichen Facebook-Kanäle, in denen sich die Solidaritätsbewegung sammelt. Die Gruppe ist in den letzten 24 Stunden bereits auf über 1000 Mitglieder gewachsen. Lasst uns etwas tun!

Wer die Sendung nicht kennt - guckt auf YouTube die "KenFM über..." Videos (2 davon hier unten in den Links), sie sind wirklich hörenswert!

Links:
Solidaritätsgruppe auf Facebook
Ronny & Smo bei KenFM
KenFM YouTube Kanal (Playlist KenFM über.. rechts oben!)
KenFM über Lügen für den inneren Frieden
KenFM über die angebliche Überforderung der Jugend
KenFM Stellungnahme
Radio Fritz Stellungnahme
Der Blog von Henryk M. Broder mit dem betreffenden Brief war zum Zeitpunkt der Artikelerstellung leider offline. Sollte er wieder erreichbar sein, dann unter www.achgut.com

Veröffentlicht am 07. 11. 2011